Bachelor Professional

Der Vorschlag zur Einführung eines Bachelor Professional stammt vom ehemaligen nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Harald Schartau, der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag sowie dem Deutschen Handwerkskammertag öffentlich unterstützt wurde. Diese „Anregung“ – übrigens bereits aus dem Jahr 2003 – war gleichzeitig mit dem Anspruch verbunden, IHK- und HWK-Fortbildungsabschlüsse wie etwa den Meister, Industriemeister, Fachkaufmann oder Fachwirt auch offiziell als Bachelor Professional (CCI = Chamber of Commerce and Industry) bezeichnen zu dürfen.

Bachelor of Professional – Transparenz oder Chaos?

Die Notwendigkeit der Einführung eines Bachelor of Professional wurde u.a. mit der Verbesserung der Chancen von deutschen Arbeitnehmern auf internationalen Arbeitsmärkten sowie der Transparenz und Verständlichkeit der deutschen Abschlüsse von Aufstiegsfortbildungen im Ausland begründet. Da einheitliche Berufsbezeichnungen in Europa europaweit ohnehin Fehlanzeige sind, ist die Absicht einer überregional „sprachlich verständlichen Angleichung“ durchaus nachvollziehbar.

Die bis heute anhaltenden Diskussionen zu den mit der Problematik im Zusammenhang stehenden politischen, rechtlichen und fachlichen Fragen haben jedenfalls bisher zu noch keinem zufriedenstellenden und vor allem endgültigem Ergebnis geführt.

Bachelor Professional im Sandwich der Interessen

Während sich auf politischer Ebene die Interessen von Handwerks- und Fachverbänden, Teilen der Gewerkschaften (IG Metall) und der Wirtschaftsministerkonferenz mit denen der Hochschulen, der Kultusministerkonferenz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gegenüberstehen, die den Bachelor als ihr Alleinstellungsmerkmal davon schwimmen sehen, wird auf rechtlicher Ebene eher darum gestritten, ob der Bachelor ausschließlich als akademischer Grad verliehen werden darf.

In diesem Punkt wissen wir bereits selbst, dass etwa Berufsakademien auch Bachelorabschlüsse eben nicht als akademischen Grad, sondern als staatliche Abschlussbezeichnung verleihen.

Fachwissenschaftlich basiert die Forderung zur Einführung eines Bachelor Professional auf der Annahme, dass zwischen Absolventen von beruflichen Fortbildungsmaßnahmen und Hochschulen keine Leistungsunterschiede bestehen. Verschiedene Studien, die diese Auffassung belegen sollten, berücksichtigten oder vernachlässigten stets unterschiedliche Schwerpunkte. So bestätigten Untersuchungen sowohl die Gleichwertigkeit (“Berufswertigkeit konkret”, 2011) von Lehrinhalten der Hochschulen und der beruflichen Fortbildung als auch teilweise Überlappungen in theoretisch-fachwissenschaftlichen Kompetenzen oder die Nichtberücksichtigung von Teilbereichen wie etwa den Praxisbezug.

Ketzerisch könnten wir behaupten, dass jeder seine Studie so anlegt, dass das Ergebnis in seinem Sinne ausfällt.

Dennoch gibt es eine Reihe von schlagkräftigen Argumenten für und gegen die Einführung des Bachelor Professional.

Pro Bachelor Professional

Für den Bachelor Professional spricht, dass

  • die jeweilige Fortbildungsprüfung ein transparentes Leistungsniveau impliziert,
  • die hohe Qualifizierung von Absolventen öffentlich rechtlicher Prüfungen (IHK, HWK) auch im Ausland anerkannt wird,
  • mit einem noch attraktiveren Abschluss eine höhere Anzahl von Interessenten für diese Weiterbildungsform gewonnen werden können,
  • insbesondere Mittelständler ihren Führungskräftenachwuchs verstärkt aus den Reihen der zweifelsfrei praxisbezogeneren Aufstiegsfortbildungen gewinnen können,
  • auch im Ausland für eine attraktive Aufstiegsfortbildung in Deutschland geworben werden kann und damit dem Fachkräftemangel teilweise zu begegnen,
  • die Meister, Fachwirte und Fachkaufleute auf gleicher Stufe wie der Bachelor im Deutschen Qualifikationsrahmen gelistet sind,
  • internationale Vergleichsstatistiken zur Erhebung von Bildungsabschlüssen entzerrt werden können,
  • nach einer fundierten Prüfung der beruflichen Fortbildung keine Verwechslungen mit akademischen Bachelor Abschlüssen (z.B. Bachelor of Arts, Bachelor of Science, Bachelor og Engineering, Bachelor of Education oder Bachelor of Laws) entstehen und
  • das Leistungsniveau insbesondere unter Berücksichtigung der einschlägigen Berufserfahrungen mit Absolventen von Bachelor Studiengängen gleichzusetzen ist.

Contra Bachelor Professional

Gegen den Bachelor Professional spricht, dass

  • neben der ohnehin teilweise holprigen Umsetzung des Bologna-Prozesses in Deutschland bereits wieder neue und damit verwirrende Bezeichnungen hinzukommen,
  • sich das System der beruflichen Fortbildung ungerechtfertigt mit Titeln anderer Bildungsinstitutionen wie Hochschulen und Universitäten schmückt,
  • die Transparenz von beruflicher Weiterbildung im Ausland zu keiner verbesserten Durchlässigkeit in deutschen Hochschulen führen kann,
  • das Leistungsniveau der Absolventen von beruflichen Fortbildungen und Hochschulen nicht identisch oder gleichwertig ist,
  • im Rahmen der Qualitätssicherung akademische Studiengänge im Gegensatz zu beruflichen Weiterbildungen einem Akkreditierungsverfahren unterliegen,
  • die Grenzen von beruflicher Fortbildung und Hochschulstudium weitgehend verschwimmen,
  • im Ausland trotz angestrebter Transparenz keine dem deutschen System der beruflichen Fortbildung entsprechenden gleichwertigen Abschlüsse zugeordnet werden können und
  • der geplante Europäische Qualifikationsrahmen, der berufliche Qualifikationen europaweit vergleichbar machen soll, keinen Bachelor Professional vorsieht.

Bachelor Professional polarisiert die Bildungslandschaft

Der Vorschlag zur Einführung eines Bachelor Professional hat nicht nur in der deutschen bildungspolitischen Landschaft zu teils emotionalen Auseinandersetzungen geführt, sondern auch die Schranken des (starren) Systems deutlich aufgezeigt. Nach wie vor konkurrieren lieber die traditionell institutionellen Qualifizierungswege der hochschulischen mit beruflicher Ausbildung plus mehrjährige Berufserfahrung anstatt die Kräfte zu bündeln und sich enger zu verzahnen. Zumindest ist mit der Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen auf Hochschulstudiengänge ein erster Anfang gemacht.

Bachelor Professional Meister / Techniker

Natürlich hört sich ein Bachelor Professional of Metal Production and Management (CCI) und Bachelor Professional of Trade and Commerce (CCI) moderner an als Geprüfter Industriemeister (IHK) Fachrichtung Metall oder Geprüfter Handelsfachwirt (IHK). Eine Reihe von Bildungsträgern werben bereits mit den Bezeichnungen, über die eigentlich immer noch gestritten wird – Ausgang ungewiss. Mit einem Bachelor Fernstudium werden diese Abschlüsse auch möglich sein.

Bachelor Professional of Business ist kein akademischer Grad

Durch den Bologna-Prozess wurden neue Abschlüsse an den Hochschulen und Universitäten eingeführt, so dass man ein grundständiges Studium mit dem Bachelor of Arts, Bachelor of Science, Bachelor of Laws, Bachelor of Engineering, Bachelor of Education, Bachelor of Musical Arts, Bachelor of Fine Arts und Bachelor of Music abschließen kann. Der Bachelor Professional scheint sich in die gängigen Abschlussbezeichnungen problemlos einreihen zu können, doch dem ist keineswegs so. Dabei handelt es sich nämlich um keinen grundständigen Studienabschluss, so dass die Absolventen keine Akademiker sind.

Der Bachelor Professional als Abschluss für berufliche Aufstiegsfortbildungen

Berufstätige, die berufsbegleitend ihre vorhandenen Qualifikationen ausbauen möchten, entscheiden sich häufig für in Deutschland anerkannte und renommierte berufliche Aufstiegsfortbildungen. Im Zuge dessen kann man sich zum Handwerksmeister, Techniker oder Fachwirt weiterbilden und auf diese Art und Weise seine Karrierechancen erheblich verbessern.

Ausgezeichnete Berufschancen erwarten Absolventen einer beruflichen Aufstiegsfortbildung mitunter auch im Ausland, denn deutsche Abschlüsse genießen international ein hohes Ansehen. Um beispielsweise beim Meister die Verwechslungsgefahr mit dem akademischen Master-Grad zu minimieren, wurde der Vorschlag unterbreitet, den Bachelor Professional als internationale Bezeichnung solcher Abschlüsse einzuführen. Bis heute wird das Thema sehr kontrovers diskutiert, so dass die juristische und politische Umsetzung nach wie vor fraglich ist.

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